DIB gibt Politik Mitschuld an erneutem Skandal um betrügerischen Bestatter

„Es wird höchste Zeit für eine geregelte Berufsqualifikation"

14.01.2013 Bad Wildungen. Als Mitte Dezember 2013 in einem verlassenen Haus in Stolberg im Südharz 67 Urnen gefunden wurden, waren das Medienecho und die Empörung groß. Ein Bestatter aus Erfurt hatte Angehörigen Seebestattungen verkauft, dafür kassiert und die Urnen dann in dem Haus abgelegt. Das Deutsche Institut für Bestattungskultur (DIB) sieht eine Mitschuld der Politik an diesem und ähnlichen Skandalen.

Hermann Hubing, Geschäftsführer des Deutschen Instituts für Bestattungskultur (DIB), ist überzeugt: „Fälle wie der des betrügerischen Bestatters aus Erfurt könnten erschwert werden, wenn es für die Ausübung des Bestatterberufes klare gesetzliche Regelungen gäbe. So lange die Ausübung des Berufes ohne einschlägige Berufserfahrung und ohne eine fundierte Ausbildung mit abschließender Prüfung möglich ist, werden wir immer wieder von solchen Fällen hören und lesen."

Hubing fordert daher eine bundesweit einheitliche, fachkundliche Prüfung zum Bestatter, in der auch das Thema Berufsethik eine tragende Rolle spielen müsse: „Bestatter begegnen Menschen in einer absoluten Ausnahmesituation. Wer einen geliebten Menschen verloren hat, muss sich darauf verlassen können, dass der Bestatter dessen Würde wahrt und die Hinterbliebenen nicht über den Tisch zieht". Sein ganzes Mitgefühl gelte daher auch im Fall des Erfurter Bestatters den Angehörigen, die sich für ihre Verstorbenen eine Seebestattung gewünscht hatten und nun erfahren mussten, wie pietätlos mit ihnen umgegangen worden sei.

Gleichzeitig kritisiert Hubing die „Geiz ist geil"-Mentalität der Gesellschaft, die eine solche Abzocke ermögliche: „Wir vergleichen Preise, wo wir nur können, und entscheiden uns viel zu oft für das günstigste Angebot – ohne zu hinterfragen, warum dieser Anbieter alle anderen so unterbieten kann. Das alte Sprichwort „Qualität hat seinen Preis" muss wieder mehr zum Tragen kommen". Die Entscheidung für einen Dienstleister allein auf Basis des Preises führe auch unter den Bestattern zu einem harten Wettbewerb und fördere das Aufkommen schwarzer Schafe.