Von Bestattertests und Bakterien - Fachtagung Bestatter NRW

Bei der Begrüßung der Teilnehmer der Fachtagung Bestatter NRW konnte der Vorsitzende der Fachgruppe, Franz-Josef Grundmann, auf ein gut gefülltes Auditorium blicken. Er stellte anhand einiger Bilder seine Eindrücke aus den ERFA-Treffen des vergangenen Jahres vor. Ein guter Erfahrungsaustausch könne seiner Meinung nach viele betriebliche Anregungen geben.
Das DIB bietet aktuell zwei ERFA-Gruppen überregional an, eine für größere und eine für kleinere Betriebe. DIB-Geschäftsführer Hermann Hubing berichtete über die weiterhin recht dynamische Entwicklung bei der Bestattungsvorsorge. Regelmäßig ist das DIB zudem eingebunden, wenn es um Unterstützung gegen ungerechtfertigte Einbehalte der Sozialämter im Hinblick auf die Bestattungsvorsorge geht. Hier wird die Rechtsprechung immer wieder durch die zuständigen Ämter ignoriert, weil man wohl darauf hofft, dass die Betroffenen sich nicht wehren.

Hubing wies zudem auf die parallel zur LIGNA stattfindende Bestattermesse „postmortale“ hin und lud alle Teilnehmer dazu ein, die Messe zu besuchen.

Bei der letzten Fachtagung wurde das verstärkte Interesse von den Teilnehmern an Beiträgen aus der täglichen Praxis des Bestatters gemeldet. In diesem Jahr erklärte sich Lars Mombour, Mitglied des Fachbeirats, bereit, sein selbst entwickeltes EDV-Programm zur Abwicklung seiner Bestattungsaufträge vorzustellen. Bereits in den 90er Jahren entschied er sich, den vielen „Papierkram“ möglichst beim Kunden vor Ort auf seinem Laptop abzuwickeln. Mombour programmierte sein eigenes „Bestatterprogramm“, mit dem er beim Kunden alle Daten erfassen, das Angebot erstellen und direkt ausdrucken kann. Auch die Entwürfe für den Trauerdruck kann er so mit dem Kunden erstellen und direkt absegnen lassen.

Ein ganz besonderer Gast der Bestattertagung war Dieter Könnes, WDR-Reporter für Verbraucherthemen. Mit seiner sympathisch unprätentiösen Art berichtete er von seinen Erfahrungen mit den Bestattern, die er im Rahmen der Recherche für seine Verbrauchersendung beim WDR gemacht hatte. Könnes sprach sicherlich vielen Anwesenden aus der Seele, als er sagte, dass die vielfältigen Dumpingangebote sich doch häufig als Lockvogelfallen für den Verbraucher darstellen. Bei seinem Bestattertest von 10 Betrieben in Köln war er von der Kompetenz der überwiegenden Zahl der Betriebe beeindruckt. Er habe den Eindruck, dass die Kommunen mit ihrer schwer durchschaubaren Preispolitik für den Bestattungstourismus mitverantwortlich seien, indem die Angehörigen gezielt überregional nach günstigeren Beisetzungsmöglichkeiten suchen. Bei seinen Umfragen bei den Kommunen unterschieden sich die Kosten für vergleichbare Bestattungen um den Faktor 4. Könnes monierte vor allem, dass bei der Novellierung des neuen Bestattungsgesetzes die eigentlich Betroffenen, nämlich die Verbraucher, nicht eingebunden wurden und trat für eine liberale Handhabung der Urnenasche ein. Hierzu gab es eine lebhafte Diskussion mit den Teilnehmern. Der Reporter riet dazu, das Experiment in Bremen abzuwarten, um nach Berücksichtigung der konkreten Erfahrungen den Angehörigen mehr Möglichkeiten einräumen zu können.

Jürgen Frerix, Rechtsanwalt aus Wesel, ging in seinem Vortrag auf die Änderungen durch das neue Bestattungsgesetz in NRW ein. Vor allem der Umgang mit der Urne wird wesentlich stärker reguliert. Hierzu gab es viele Fragen von Seiten der Teilnehmer zur formalen Handhabung. Vor allem bei einer Kremierung in den Niederlanden bzw. in anderen Bundesländern sind viele Bestatter recht unsicher, da dort das NRW-Gesetz nicht gilt. Rechtsanwalt Frerix gelang es immer wieder, die Teilnehmer mit einzubinden und ihnen die möglichen Kosten für mögliche Ordnungswidrigkeiten zu veranschaulichen.

Der letzte Beitrag des Tages kam von Dr. Friedrich von Rheinbaben von der Desinfektorenschule in Mainz. Ihm gelang es sehr beeindruckend, den Menschen als Biotop für Keime und Bakterien darzustellen. Bei Kranken und älteren Menschen verschlechtere sich die Immunabwehr und dort könnten vor allem multiresistente Erreger ihr Unwesen treiben, von denen dann auch der Bestatter im Rahmen der hygienischen Grundversorgung betroffen sei. Schon kleinste Risse und Verletzungen ermöglichen, dass Keime und Bakterien eindringen. Neben Hepatitis müsse man sich auch gegen HIV und Tuberkulose angemessen schützen. Das Gefahrenpotential sei für den Bestatter recht hoch, doch könne er sich durch geeignete Impfungen und persönliche Schutzmaßnahmen ausreichend und sicher schützen. Trotz des reichlich anspruchsvollen Themas gelang es von Rheinbaben die Teilnehmer 90 Minuten bei der Stange zu halten.

Zum Schluss konnte das Auditorium darüber abstimmen, welche Themen auf der nächsten Tagung angegangenen werden sollten. Dabei standen der Arbeitsschutz für die Bestatter und die Internetpräsentation ganz weit oben auf der Interessenliste. Das gibt dem Fachbeirat eine gute Grundlage für seine Planung und Arbeit im kommenden Jahr.