Krimifreunde zwischen Särgen

November 2016. Halten Sie das Motto „Gestorben wird immer, für unser Unternehmen braucht nicht geworben zu werden!" für richtig? Wir finden, dass diese Auffassung längst überholt ist. Wer als Bestattungsunternehmen am Markt Bestand haben will, kommt um gezielte Marketing- und Kommunikationsmaßnahmen nicht herum. Diese können auch ungewöhnlich sein und müssen nicht direkt etwas mit den Themen Trauer und Tod zu tun haben. Immer mehr Bestatter nutzen deshalb ihre Räumlichkeiten dazu, auch kulturelle Veranstaltungen durchzuführen und die Menschen aus der Umgebung in das Bestattungsinstitut zu Musikveranstaltungen, Lesungen oder Kochabenden einzuladen. 

Ein Bestattungsunternehmen, das schon viele Jahre auf Events „besonderer Art" setzt, ist „Kümmel Bestattungen" aus Gießen. Die Bestatterfamilie hat sich kürzlich zum 5. Mal in Folge am Gießener Krimifestival beteiligt – als einziges Bestattungsunternehmen der Region bietet das Bestattungshaus Kümmel als eine von rund 30 Locations Raum für die Krimifreunde des Festivals.
Dieses Jahr begeisterte das Duo Kai Engelke und Helm van Hahn mit Kurzkrimis und Gitarrenmusikaus aus ihrem Programm „Musik liegt in der Gruft". Wohin würde ein solcher Titel besser passen als zu einem Bestattungshaus? Die Bestatter Kümmel legen bei der Auswahl der Autoren viel Wert auf unterhaltsame Krimigeschichten, es soll möglichst viel und laut gelacht werden. Juniorchef Sascha Kümmel erklärt den Hintergrund: „Eine ‚Schockerveranstaltung', bei der die Besucher sich zu Tode fürchten, liegt uns völlig fern. Uns ist es wichtig, dass wir Ängste und Hemmschwellen abbauen können – die Bevölkerung soll sich trauen, in ein Bestattungshaus zu kommen und kann dann bei solch einer Veranstaltung auch erfahren, dass ihre Ängste unbegründet sind."

Auf die passende Atmosphäre für das Krimifestival achte man aber dennoch: „Am Abend selbst führen wir die Besucher durch unseren abgedunkelten Ausstellungsraum mit Särgen und Urnen zu ihren Plätzen, lediglich Kerzen brennen und verbreiten eine wohlig leichte Gruselstimmung – das macht aber den Charme der Veranstaltung aus, was uns Besucher und Veranstalter jedes Jahr aufs Neue bestätigen", weiß Kümmel zu berichten. In dem kleinen Andachtsraum, der normalerweise für 30 Personen ausgelegt ist, wird die Bestuhlung zum Krimifestival verdoppelt. Die Eintrittskarten sind ausschließlich über die öffentlichen Vorverkaufsstellen in Gießen zu beziehen und waren schon nach wenigen Minuten vergriffen. In der Pause reichen die Bestatter Fingerfood und Getränke.

Für Familie Kümmel ist so ein Abend natürlich arbeitsintensiv und „es muss auch ein bisschen Geld in die Hand genommen werden", erzählt Chefin Maria Kümmel. Dennoch werde man weiterhin Veranstaltungen der „besonderen Art" in ihrem Bestattungshaus anbieten. Nicht nur, dass die Presse stets voller Lob über die Krimiabende beim Bestatter berichtet, man merke auch, dass die Besucher, die Autoren, die Veranstalter des Festivals und zuletzt auch man selbst als Bestatter und Ausrichter eines Teils des Krimifestivals einen begeisternden Abend erlebe und das ist - da ist sich Familie Kümmel einig - „eine tolle Werbung, die auch noch unglaublich viel Spaß macht!"